SPD führte ein erfolgreiches Familienforum durch

Am Samstag, 03. Februar 2007 veranstaltete die SPD Remscheid ihr viertes Familienforum. Dieses Mal widmete sie sich dem Schwerpunkt „Frauen und Gesundheit“. Die Räumlichkeiten des ev. Gemeindehauses in Hasten boten in Spitzenzeiten knapp 100 Interessierten, Engagierten und Betroffenen und den Referenten und Fachleuten Platz. Ehrengast war Frau Oberbürgermeisterin Wilding, die sich unter die Zuhörerinnen mischte und den Vorträgen interessiert folgte.

Impulsreferate

Am Vormittag wurden fünf Impulsreferate gehalten und es konnten Blutdruck- und Blutzuckermessungen vorgenommen werden. Nach der Begrüßung durch die SPD hatte Dr. Neveling, Leiter des Gesundheitsamtes, das Wort. Er gab einen umfassenden Überblick über Gesundheitsvorsorge, -risiken und geschlechtsspezifische Erkrankungen von Frauen. Beim Thema Schutzimpfungen hob er besonders die neue Methode des Impfens gegen das Papilloma-Virus, welcher den Gebärmutterhalskrebs auslöst, hervor. Er hob die genetische Veranlagung als Risiko für die meisten Geschwulsterkrankungen hervor. Ebenso betonte er die Lebensführung, Alkohol- und Nikotinmissbrauch und Ernährung, Sport und seelische Einstellung.

Die zweite Referentin, Frau Dr. Fassauer, Internistin aus Wuppertal, erklärte die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Symptomen von Herz – und Gefäßerkrankungen in ihrem Vortrag „Frauenherzen schlagen anders“. Obwohl Frauen bekanntermaßen ein besseres Körperbewusstsein haben und ihre Beschwerden besser versprachlichen können, nennen sie beim Herzinfarkt eher diffuse Beschwerden, erleben die Symptomatik anders und haben deutlich geringere Überlebenschancen als Männer. Dies hat im Wesentlichen zwei Gründe: sie sind im Schnitt 15-20 Jahre älter als Männer, wenn sie einen Infarkt erleiden, weil sie bis zu den Wechseljahren hormonell recht gut davor geschützt sind. Außerdem ist der Herzinfarkt bei Frauen nicht so gut erforscht; wie überhaupt die Medizinforschung dazu neigt, Frauen auf dem Hintergrund der Norm „Mann“ medizinisch zu betrachten. Die engagierte Ärztin fordert, dass alle Medikamente und Therapien in ihrer unterschiedlichen Wirkung auf Männer und Frauen untersucht werden müssen.

Frau Brzoska von der AOK Hamburg/Rheinland vertiefte die unterschiedlichen körperlichen Bedingungen von Mann und Frau im dritten Impulsreferat mit dem Titel „Gesundheit ist weiblich“. So entspannen Männer besser, in dem sie sich Input von außen holen bzw. in die Außenwelt richten, Frauen eher bei der Aufmerksamkeit nach innen. Ihren Schmerz empfinden Frauen eher über das limbische System (dem ältesten Teil des Gehirns), der Mann eher in den vernunftregierten Regionen des Gehirns: er nimmt sofort eine Ursachenanalyse vor. In der Familie sind Frauen die Gesundheitsmanager, so wie sie in früheren Zeiten Heilerinnen, Hexen, Hebammen waren. Auch Stress empfinden Frauen anders: sie gestalten ihre Umwelt stärker nach ihren Bedürfnissen und sorgen besser für sich.

Im vierten Beitrag, dem Referat der Gleichstellungsbeauftragten Frau Steylaers, wurden die demokratisch-parlamentarischen Aspekte weiblicher Gesundheit hervorgehoben. So entscheiden wenige handverlesene Frauen mit vielen Männern in den Gremien. In der Gesundheitskonferenz auf Bundesebene sind 7 Frauen auf 36 Mitglieder, ebenso im Bundesausschuss. Die Tatsache, dass Frauen Gesundheitsminister oder Kanzler sind, ist noch keine hinreichende Voraussetzung dafür, dass frauenpolitische Gesichtspunkte, oder in diesem Fall weibliche Medizin, berücksichtigt werden. Der Fachbegriff für die geschlechterspezifische Erhebung von Daten, für geschlechterspezifische Entscheidungen ist Gender, das politische Geschlecht. Frau Steylaers warnt vor biologistischen Erklärungen der Geschlechtsunterschiede, was meist nur zur Rechtfertigung von Ungerechtigkeiten führe. Nur in der Medizin sei diese Unterscheidung akzeptabel und „naturgegeben“.

Im fünften Impulsreferat, das von Frau Dr. Brendler, Psychiaterin i.R. und langjährige Ärztin in der Stiftung Tannenhof, gehalten wurde, ging es um die Stigmatisierung von seelisch Erkrankten. Frauen erkranken häufiger als Männer an Depressionen. Die Wahrscheinlichkeit, daran wenigstens einmal im Leben zu erkranken, ist für alle Menschen relativ hoch. Der Ärztin gelang es, einfühlsam und überzeugend, die Isolation psychisch Erkrankter hervorzuheben, die sich ihrer Symptome und Schwächen schämen und die Bezeichnungen „bekloppt“ oder „irre“ aus ihrer Umwelt für sich übernehmen. Die Umgebung reagiert häufig verständnis- und hilflos und appelliert an die Disziplin, das Zusammennehmen, den eigenen Willen. Aber genau das ist bei der Depression gestört. Hier ist es sinnvoll, so früh wie möglich Hilfe aufzusuchen, die durch Mediziner, Psychotherapeuten und Selbsthilfegruppen gewährt werden kann. Bekannte, Kollegen und Familienangehörige können diesen Schritt wesentlich erleichtern, außerdem ist es für die meisten Patientinnen hilfreich, die Probleme offen zu besprechen.

Offene Angebite in der Mittagspause

In der Mittagspause nahmen einige Besucherinnen die Gelegenheit wahr und ließen sich vom Team des Sanaklinikums, von Frau Voigt, Frauenärztin, und Frau Hilger, Brustschwester, mit Hilfe einer DVD zeigen, wie die Selbstuntersuchung der Brust vorgenommen wird. Einmal monatlich reichte und die eigene Beobachtung sei besonders wichtig, meinten beide Frauen.

Für Stille und Entspannung suchende war ein Raum vorbereitet, in dem Heilpraktikerin Katrin Windgassen-Engel eine Einführung in Yoga, speziell für Schulter und Nacken, anbot.

Arbeitsgruppen am Nachmittag

In den vier Arbeitsgruppen, die unter Anleitung von Moderatorinnen und Protokollantinnen tagten, wurden – den Impulsreferaten entsprechend – die Themen bearbeitet, die den Interessierten jeweils am Herzen lagen. So entstanden im Zusammenwirken von Betroffenen, Interessierten, Kommunalpolitikern und Fachleuten schriftliche Forderungen, Anregungen und umsetzbare Ratschläge für die kommunalpolitische Arbeit, die zur Grundlage für bürgernahes Handeln werden.

Schlusswort

Sozialdezernent Mast-Weisz verabschiedete die Anwesenden, dankte ihnen für die differenzierte Behandlung der unterschiedlichen Themen, betonte die Wichtigkeit der politischen Folgerungen aus einer solchen Veranstaltung und dankte den Organisatoren und Helfern für die geleistete Arbeit.