Grußwort zum Arbeitnehmerempfang

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in unseren Reihen gibt es viele dieser Persönlichkeiten. Wenn Sie gehen, hinterlassen sie Lücken, die nur schwer zu schließen sind.

So hat mich der plötzliche Tod von Hans Wiertz geschockt. Mit ihm hat Remscheid und die Gewerkschaftsbewegung einen Menschen verloren, der sich aus vollem Herzen und mit aller Kraft für die Belange der Arbeitnehmer eingesetzt hat.

Wir können den Verlust kaum fassen. Auch nicht einen Monat nachdem wir Hans auf seinem
letzten Weg begleitet haben. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Freunden, die in der
Gewissheit leben können, wir werden Hans nicht vergessen.

Wir alle wissen: Er hat Spuren in unserer Stadt und in den Köpfen ihrer Menschen hinterlassen. Hans hat sich um seine Heimatstadt verdient gemacht.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich möchte an dieser Stelle herzlich Hans Peters begrüßen, der heute zu uns sprechen wird. Den
musikalischen Rahmen des heutigen Abends bildet die Gruppe Catalpa, die wir zu Beginn bereits
hören durften. Ich danke Ihnen und heiße Sie alle im Namen der Stadt Remscheid herzlich
willkommen.

Liebe Anwesende,

in den Medien lesen und hören wir jeden Tag viel darüber, was sich in Deutschland ändern muss,
was auf keinen Fall bleiben darf und was auf jeden Fall verhindert werden soll. Da geht es oft um
handfeste Interessen und häufig sind das nicht die Interessen der Arbeitnehmer, die immer noch
das größte und wichtigste Kapital der deutschen Unternehmen sind.

In vielen Erklärungen und Diskussionspapieren aus Verbänden, aus der Wissenschaft und auch
aus der Politik vermisse ich die Kenntnis davon und den Sinn dafür, wie es in den Betrieben aussieht:

– Manche Kritik an hohen Löhnen klingt zynisch, wenn man weiß, mit wie wenig viele leistungsbereite und leistungsfähige Menschen auskommen müssen.

– Manche Kritik an vermeintlich zu starren gesetzlichen Regelungen löst sich in Luft auf, wenn man weiß, wie flexibel vor Ort gehandelt werden kann und gehandelt wird.

– Wenn Unternehmen in Schwierigkeiten stecken – und das Management ist da ja nicht immer unbeteiligt – sind oft Betriebsräte und Gewerkschafter ganz vorne dabei, wenn es darum geht, den Betrieb zu modernisieren und die Arbeit neu zu organisieren. Da gibt es viele praktische Beispiele für betriebliche Innovation, die öffentlich viel zu wenig wahrgenommen werden.

Von Ludwig Erhard wissen wir, dass Wirtschaftspolitik zu mindestens 50 Prozent aus geschickter Psychologie besteht. Wenn ich an gewisse Debatten denke, scheinen manche das inzwischen vergessen zu haben. Ich kenne kein anderes Land, in dem so viele, die in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik Verantwortung tragen, so negativ, so schlecht über das eigene Land reden wie bei uns in Deutschland.

Das ist nicht nur falsch, das ist gefährlich, weil es den deutschen Interessen schadet, den Interessen
von Unternehmen und den Interessen von Arbeitnehmern.

Ich bin dafür, dass wir immer wieder kritisch und selbstkritisch fragen, was wir besser machen
müssen und besser machen können. Und da gibt es gewiss manches zu tun.

Ich bin aber dagegen, dass Schwarzmalerei zum Normalfall wird. Wer über das eigene Land und
seine Wirtschaft immer schlechter redet, als sie sind, der gehört zum Psychologen und nicht in die
Talkshow.

Wir sollten auch aufhören mit zweierlei Maß zu messen: Es passt nicht zusammen, über die hohen
Löhne am Standort Deutschland zu klagen und gleichzeitig die Vorstandsbezüge in fast allen
großen Unternehmen kräftig zu erhöhen. Auch das hat übrigens etwas mit Psychologie zu tun.

Die Menschen merken das und sie mögen es nicht. Die Menschen spüren auch, wenn immer mehr Menschen mit ihrer Arbeit nicht das verdienen können, um menschenwürdig leben zu können. Deshalb ist es richtig, zügig und vernünftig auch in unserem Land einen Mindestlohn einzuführen.

Der DGB hat dieses Ziel auch zum Motto des morgigen Tages gemacht: Du hast mehr verdient. Mehr Respekt. Soziale Gerechtigkeit. Gute Arbeit.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dieser Dreiklang muss Gehör und Beachtung finden.
Betriebsräte und Personalräte leisten eine Arbeit, die dafür unersetzlich ist. Sie kennen die Probleme ihrer Kolleginnen und Kollegen. Sie kennen ihre Sorgen und ihre Wünsche. Sie kennen auch den betrieblichen Alltag besser als die allermeisten, die darüber reden.

Wir reden viel davon, dass wir in unserer Gesellschaft mehr ehrenamtliches Engagement brauchen. Das stimmt, und ich habe in den beiden zurückliegenden Jahren an vielen Stellen in unserer Stadt versucht, dieses Engagement zu fördern und anzustoßen.

Über den Wunsch nach mehr Engagement sollten wir die nicht vergessen, die sich heute engagieren. Zu diesen gehören ganz vorne die Betriebsräte und auch die gewerkschaftlichen Vertrauensleute. Sie kümmern sich nicht nur um sich selber. Sie engagieren sich für andere.

Gewiss, Betriebsräte vertreten Interessen. Nach meiner Erfahrung wissen die allermeisten aber
auch, dass man selbst berechtigte Interessen nicht absolut setzen darf. Betriebsräte und Geschäftsführungen müssen sich jeden Tag auf praktische Lösungen verständigen, die für beide zumutbar sind. Das setzt Konfliktfähigkeit und die Bereitschaft zum Kompromiss voraus. Das entspricht der in Jahrzehnten gewachsenen Sozialkultur in unserem Land. Ich kann niemandem dazu raten, diesen Weg zu verlassen und auf ungebremste Konfrontation zu setzen.

Ich danke Euch für das, was Ihr Tag für Tag im Interesse der arbeitenden Menschen tut.

Ich wünsche Euch viel Erfolg und Kraft für Eure verantwortungsvolle Arbeit!

Diese Arbeit setzt Solidarität voraus. Es gehört zur Tradition der Gewerkschaftsbewegung, diesen
Gemeinschaftsgeist auch im gemeinsamen Lied auszudrücken. So werden wir auch heute Abend
gemeinsam singen. Begleitet werden wir von Harald Neumann an der Gitarre, dem ich dafür
herzlich danken darf.

Lieber Hans Peters,
zuvor darf ich das Wort an Dich weitergeben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
für Eure Arbeit und für die Zukunft unserer Heimatstadt Remscheid wünsche ich uns allen ein
herzliches Glück Auf!