Kommentar zum Weltkindertag

Zum Weltkindertag am Donnerstag wurde wieder einmal viel gesagt und geschrieben. Bildungsfachleute und Politiker jeder Couleur appellieren daran, in Bildung und Erziehung unserer Kinder zu investieren; Kinder sollen gefördert, motiviert, ermutigt, herausgefordert werden, so früh und so umfassend wie möglich. Man wird nicht müde zu betonen, die sogenannten bildungsfernen Schichten und die Kinder aus Migrantenfamilien besonders erreichen und ihre Chancen erhöhen zu wollen.

ALLES LÖBLICH UND RICHTIG!

Aber anstatt dies vielstimmig und wortreich immer wieder zu betonen, gilt es aus der Vielzahl von Untersuchungen, die mittlerweile vorliegen – es sei nur erinnert an: PISA-Studie, Armutsbericht, Unicef–Vergleichsstudie 2007 – endlich die Schlüsse zu ziehen und konkrete Maßnahmen zu ergreifen, die den Kindern und ihren Familien wirklich helfen. Doch diese sucht man in NRW vergebens. Stattdessen findet man:

– die Erhöhung der Elternbeiträge für Kindertagesstätten, bei gleichzeitiger Betonung, wie wichtig der Besuch des Kindergartens für alle Kinder doch ist – besonders für die oben schon erwähnten bildungsfernen Schichten. Es ist endlich an der Zeit über beitragsfreie Kinderbetreuung nachzudenken und Möglichkeit zu entwickeln, diese schrittweise einzuführen, etwa zunächst das letzte Kindergartenjahr vor der Einschulung beitragsfrei zu gestalten.

– Da plant die CDU–Landesregierung das Kinderbildungsgesetz KIBIZ, das – wie alle Fachleute und Experten kritisieren – weitere finanzielle Belastungen für die Eltern bei gleichzeitiger Verschlechterung der pädagogischen Qualität bedeuten wird. Dieses Gesetzesvorhaben gehört in dieser Weise getrost ad acta gelegt, fragt man sich doch, wo hier die wohlfeil geforderte Investition in unsere Kinder bleibt!

Das Neue Schulgesetz in NRW bringt uns:
– die Aufhebung der Grundschulbezirke,
– verbindliche Grundschulempfehlungen,
– Kopfnoten,
– die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur auf 12 Jahre.

Eine wirkliche Reform, die die bestehende Ungerechtigkeit dieses Schulsystems – die Abhängigkeit des Schulerfolgs vom sozialen Status der Eltern – aufhebt und jedem Kind, gleich welcher Herkunft, welcher Vorbildung und Vorkenntnisse, die beste Bildung ermöglicht, ist in diesem Land unter dieser Landesregierung jedoch nicht in Sicht!

Stattdessen wird weiter am drei- bzw. viergliedrigen Schulsystem – bezieht man das Förderschulsystem mit ein – festgehalten und Kinder nach vier Jahren gemeinsamen Lernens in der Grundschule mit gerade einmal zehn Jahren unterschiedlichen Schulformen mit unterschiedlich qualifizierenden Abschlussmöglichkeiten zugeordnet. Dadurch werden Weichen gestellt für zukünftige Berufs- und Lebenschancen – viel zu früh, viel zu starr!

So werden die Kinder und Jugendlichen zu Dauerverlierern dieses Bildungssystems, deren Eltern nicht über die finanziellen Bedingungen und über die Kenntnisse verfügen, ihren Kindern zusätzliche Unterstützung und Hilfe zukommen zulassen.

Eine steigende Zahl von Jugendlichen – und hier sind männliche Jugendliche aus Migrantenfamilien überproportional vertreten – verlässt ohne Abschluss oder ohne qualifizierten Abschluss die Schulen NRWs, frustriert, gedemütigt, ohne Perspektive für die Zukunft. Hier muss nun – endlich – eine wirkliche Reform der bestehenden Schulstruktur in Angriff genommen werden.

Jeder, der am Weltkindertag das Recht auf Bildung unserer Kinder vollmundig einfordert, sollte alle Anstrengungen unternehmen, statt des dreigliedrigen Schulsystems eine Schule zu etablieren, die ohne Auslese durch gemeinsames Lernen und gemeinsame Förderung die Bildungschancen eines jeden Kindes optimiert.

Anstatt aber eine solche Gemeinschaftsschule mit allen Beteiligten zu planen und auf den Weg zu bringen, hört man von der Landesregierung nichts als Polemik. Und den Hinweis darauf, dass die Kosten für eine solche Schulreform viel zu hoch wären.

Investieren wir also in die Bildungschancen unserer Kinder!