Ein erfolgreicher Auftakt!

Starke Frauen unter sich!
"Starke Frauen früher und heute!" – Gruppenbild zum Abschluss.
Podiumsdiskussion "Starke Frauen früher und heute": Zuhörerinnen und Zuhörer
Interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer bei der Podiumsdiskussion "Starke Frauen früher und heute!" am 18.02.2015.

Zwischen der Aussage „Hoffentlich kommt jemand!“ und „Haben wir noch Stühle?“ lagen vielleicht 15 Minuten, als am Mittwochabend der SPD-Ortsverein Remscheid-West und der SPD-Unterbezirk Remscheid zur Podiumsdiskussion „Starke Frauen früher und heute!“ eingeladen hatten. Die Veranstaltung fand in der Geschäftsstelle der Remscheider SPD statt, wo seit vergangenem Freitag die Ausstellung „Für eine bessere Welt. Frauen aus der zweiten Generation in der Führung der SPD.“ Ausgestellt ist. Unter den Portraits von zwölf historisch starken Persönlichkeiten aus der Weimarer Republik bis zur Verabschiedung des Grundgesetzes mit dem bedeutsamen Artikel 3 – „Männer und Frauen sind gleichberechtigt!“ hatten die beiden SPD-Gliederungen bei Heringsstipp zum politischen Aschermittwoch eingeladen.

Haben es Frauen heute einfacher als früher, wenn sie ihren Weg, also Karriere, machen wollen? Gibt es immer noch oder heute andere Stigmatisierungen – Stichwort: „Rabenmutter“ – und gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern, was das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten betrifft, wenn es darum geht sich auf höhere Positionen bewerben?

Über diese und viele andere Fragen auch diskutierte eine Podiumsrunde, bestehend aus sieben Frauen aus unterschiedlichen Bereichen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft mit rund 40 Zuhörerinnen und Zuhörern.

Das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ zog sich erwartungsgemäß als ein roter Faden durch den Diskussionsabend. Es gibt heute sehr viele Angebote wie die Offenen Ganztagsgrundschulen, die eine Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie heute erleichtern. „Trotzdem streben viele recht schnell wieder in Vollzeit, weil Teilzeit als eine Falle betrachtet wird um weiterzukommen!“ so Bettina Reckert, die als Betriebsratsvorsitzende eines namenhaften Remscheider Unternehmens und Vorstandsmitglied der örtlichen IG Metall aus dem Podium saß. Wenn man nicht „voll Zeit“ anwesend sei, werde wohl die geleistete Arbeit auch nicht voll anerkannt – so lautete eine Vermutung.

Muss denn jedes Kind bereits unter drei Jahren in die Kita – und muss man sich rechtfertigen, wenn man zu Hause bleibt? „Man muss sich unter Umständen entscheiden, was wichtiger ist: Zeit für Familie oder das zweite Auto.“ – so pointiert brachte es die stv. Vorsitzitzende der Remscheider SPD und Vorsitzende der örtlichen IG Metall – Frauen, Christine Krupp, auf den Punkt. Sie verwies darauf, dass Betriebskindergärten hier eine gute Einrichtung sein, welche im Zuge der Internationalisierung des Arbeitsmarktes auch von aus dem Ausland kommenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nachgefragt würden. „Das kann schon ein Standortvorteil sein, wenn ein Unternehmen so etwas hat!“ so Krupp.

Warum haben wir in der Bundesrepublik Deutschland vielleicht die niedrigste Geburtenrate in ganz West-Europa, obwohl es heute weitaus mehr Betreuungsangebote gibt als noch vor gut drei Jahrzehnten? Auf diese Frage fand sich ad hoc keine Antwort. Hier fielen Stichworte wie Individualisierung von Lebensstilen.

Die Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen Remscheid, Martina Sturm-May, brachte eine interessante Statistik in die Diskussion, wonach sich bei jungverheirateten Paaren die Hausarbeit 1:1 aufgeteilt werde, diese aber ab der Geburt des ersten Kindes (wieder) zu einer reinen „Frauenangelegenheit“ werde. „Haben wir also wirklich alte Rollenbilder überwunden?“ – so die Frage ins Publikum.

Die Vorsitzende der SPD-Senioren, Rita Jungesblut-Wagner, berichtete anhand des Beispiels der sogenannten „Trümmerfrauen“ nach dem Zweiten Weltkrieg, dass diese als es darum ging den Schutt der Kriegsschäden wegzuräumen und das Überleben der eigenen Kinder zu sichern, im wahrsten Sinne des Wortes „stark“ gewesen sind, während sie im Laufe der 1950er Jahre wieder „an den Herd“ gedrängt wurden.

Als Unternehmerin nahm Sabine Bläser an der Podiumsrunde teil, berichtete von der Idee zur Unternehmungsgründung, die Erfahrung mit der „eigenen Schere im Kopf“, wenn man vor der Wahl stehe Personal einzustellen – „Warum das so ist, wüsste ich auch gerne!“ – und nutzte den Abend zu einer Frage in eigener Sache. An den eigenen Ehemann gerichtet, fragte sie: „Warum haben wir eigentlich damals dich als Geschäftsführer eingesetzt und nicht mich?“ Die Ankündigung, im Anschuss an die Veranstaltung im Rahmen einer Gesellschafterversammlung über diese Frage noch einmal beraten zu wollen, wurde mit wohlwollendem Beifall quittiert.

Warum ist das Bild von Führungspositionen nach wie vor männlich, während wir heute eine Bundeskanzlerin sowie mehrere Ministerpräsidentinnen haben? Mit dieser Frage leitete die Moderatorin des Abends, die Journalistin Stefanie Bona, die Fragerunde zum Thema „Frauen in der Politik“ ein. „Es ist gut, dass wir die in der SPD die Quote haben. Das hat uns dabei geholfen, vielen Männern in den 1980ern ihre „Erbhöfe“ zu nehmen.“ so Rita Jungesblut-Wagner.

Zum Abschluss des Abends versprach die stv. Vorsitzende der Remscheider SPD, Stefanie Bluth, dass es bei der heutigen Veranstaltung nicht bleiben werde. „Wir haben uns vorgenommen, dem Thema Frauen und Gleichstellung wieder ein stärkeres Gewicht in der örtlichen Partei zu geben. Ich freue mich, dass der Auftakt so gut besucht war. Viele Themen bleiben aktuell – von der Betreuung von Kleinkindern über Bildungspolitik bis hin zu Aufstiegschancen in Politik und Wirtschaft! Ich hoffe, wir sehen uns im kommenden Jahr wieder!“