„Es geht bei Uploadfiltern auch um Gerechtigkeit“

Wer verdient wieviel bei einem Online angerufenen Artikel oder Video? Das war eine der Fragen, die im Rahmen des III. Europaforums der Remscheider SPD, welches am Donnerstagabend im MK-Hotel im Remscheider Hauptbahnhof stattfand.

III. Europaforum der Remscheider SPD am 22.11.2018 im MK-Hotel am Hauptbahnhof.
III. Europaforum der Remscheider SPD am 22.11.2018 im MK-Hotel am Hauptbahnhof.
 III. Europaforum der Remscheider SPD am 22.11.2018 im MK-Hotel am Hauptbahnhof 02
III. Europaforum der Remscheider SPD am 22.11.2018 im MK-Hotel am Hauptbahnhof 02

Ist es gerecht, dass eine Cellistin im vergangenen Jahr für ein Video, welches bei Youtube vier Mio. Mal aufgerufen wurde,  80.000 Dollar bekommen hat, während sie bei einem herkömmlichen Plattenvertrag für 400.000 verkaufte Exemplare das Fünffache bekommen hätte? Anhand dieser Frage machte der stv. Chefredakteur der Westdeutschen Zeitung, Lothar Leuschen, seine These deutlich, dass es sich beim Thema Urheberrecht im Internet um ein Gerechtigkeitsthema handele: Die Frage, wer an der Verbreitung von Werken auf Online-Plattformen in welcher Weise profitiert und was hiervon bei den Autoren und Künstlern verbleibt, gehöre ins Zentrum der Diskussion.

Dass eine Regelung zum Thema Urheberrecht notwendig sei, darüber waren sich die Düsseldorfer Europaabgeordnete Petra Kammerevert und der stv. Chefredakteur der Westdeutschen Zeitung im Grunde einig. Offen war die Frage, ob die im September vom Europäischen Parlament verabschiedete Richtlinie zum Urheberrecht, die sich aktuell in einem sogenannten „Trialog-Verfahren“ zwischen der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und den Nationalstaaten befindet, nicht am eigentlichen Thema vorbei ginge.

Petra Kammerevert hatte im Europäischen Parlament gegen die Richtlinie gestimmt, weil durch diese unter Umständen der Einsatz sogenannter Uploadfilter drohe, die bei vermuteten Urheberrechtsverstößen von Nutzern hochgeladenen Inhalt blockieren. „Uploadfilter basieren auf mathematischen Algorithmen und Algorithmen können nicht erkennen, ob es sich bei hochgeladenen Werken um Urheberrechtsverletzungen oder um Satire handele, die erlaubt sei.“ so Kammerevert in ihrer Begründung. Sie verwies darauf, dass die unter Rückgriff auf das Urheberrecht eingeführten Uploadfilter, einmal installiert, auch für weitergehende Zensurmaßnahmen genutzt werden können – dies sei eine große Gefahr für die Meinungs- und Kunstfreiheit.

In der sehr lebhaften Debatte zwischen dem altersmäßig gemischten Publikum und den beiden Referenten wurde u.a. die Frage nach Gebührenmodellen für Online-Plattformen nach dem Vorbild der GEMA diskutiert, mit deren Hilfe Autoren journalistischer Texte Einnahmen an von ihnen verfassten Werken kommen können. Leuschen verwies hier auf Fehler, die in den 1990er Jahren u.a. durch die Zeitungen gemacht wurde. Durch das kostenlose zur Verfügung stellen von redaktionellen Angeboten sei eine „Kostenlos-Kultur“ entstanden, die heute dazu geführt hat, dass nur die wenigsten bereit seien, im Internet für Journalismus Geld auszugehen. Durch eine Drittelung der Anzeigenerlöse der gedruckten Zeitungen in den vergangenen Jahrzehnten hat dies zu einem Ausbluten insbesondere des Lokaljournalismus geführt. „Wie kann der lokale Journalismus im digitalen Zeitalter für die nächste Generation gerettet werden?“ lautete denn auch eine Frage oder ein Appel des Abends.