Im Mittelpunkt: Starke Frauen im Jubiläumsjahr einer starken Frau

Nicht weniger als fünf Frauen haben heute gemeinsam eine Ausstellung in den Räumlichkeiten der Remscheider SPD bestritten. Fünf Frauen, deren Lebenswege unterschiedlicher nicht sein können – und bei deren Betrachtung einem als erstes die Frage aufdrängt: Was verbindet diese fünf gestandene Persönlichkeiten eigentlich?

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Was verbindet eigentlich die im Hunsrück geborene und in Köln aufgewachsene Ulrike Flüß, die vor mehr als 30 Jahren der Liebe wegen nach Remscheid gezogen ist mit Angela Heise, die vielen kunst- und kulturaffinen Menschen bekannt sein dürfte als Mitglied der Kunstgruppe Lüttringhausen und der Musiker- und Künstlerkolonie Lennep mit Ulrike Hoffström, die aus dem hohen Norden, aus Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel stammt und über zahlreiche Zwischenstationen „der Liebe wegen“ nach Remscheid kam mit Anita Kaiser, die im Gegensatz zu Frau Hoffström aus dem Süden unserer Republik – aus dem schönen Bayern – stammt mit „unserer“ Ilsedore Uibel, in deren zweiten Wohnzimmer heute die Ausstellung stattfand und die in der SPD als stets rastlose wie rührige Persönlichkeit geschätzt wird?

Die Antwort kommt beinahe banal daher – und ist doch wiederrum so aussagekräftig, dass es fast schon keiner weiteren Erklärungen bedarf: es ist die Passion oder auch Liebe zur Kunst, die künstlerische Schaffenskraft, in der sie ihre Energie kanalisieren und wo ihre Biographie zumindest ein Stückweit sichtbar wird.

Schon einmal haben wir als Remscheider SPD das ungewöhnliche Unterfangen gehabt, dass gleich mehrere Frauen gemeinsam einen Abend gestaltet haben. Dass ein solcher Frauenabend gerade in diesem Jahr wieder gelungen ist, war sehr erfreulich.

Auf den Plätzen wurde ein besonderes „Give away“ ausgelegt – und zwar eines, welches an Marie Juchacz erinnert, die vor 100 Jahren gleich zwei herausragende Leistungen vollbracht hat.

Als am 19. Januar 1919 zum ersten Mal allgemeine, freie, gleiche und geheime Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung, zur verfassungsgebenden Versammlung für die erste demokratische Republik auf deutschem Boden, stattfanden, gehörte die Sozialdemokratin Juchacz zu den ersten Frauen, die in ein deutsches Parlament gewählt wurden und – noch wichtiger – sie war die erste Frau, die in einem deutschen Parlament gesprochen hat. Das war am 19. Februar 1919.

Im gleichen Jahr – am 13. Dezember 1919 – gründete Marie Juchacz die Arbeiterwohlfahrt, die Schwesterorganisation der SPD und heute einer der großen deutschen Wohlfahrtsverbände.

Der Lebensweg von Marie Juchacz ist der Lebensweg einer starken Persönlichkeit, die gegen die Widrigkeiten und Einschränkungen zu Zeiten des deutschen Kaiserreiches „ihren Mann gestanden“ hat, die die Zeiten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in der Emigration verbrachte und 1945 in New York die „Arbeiterwohlfahrt USA – Hilfe für die Opfer des Nationalsozialismus“ aufgebaut hat.

Wenn man den Lebensweg von Marie Juchacz liest, kann man als Sozialdemokrat stolz darauf sein, eine solche Persönlichkeit zu seinen Ahnen zählen zu dürfen – und es kann einen nur wütend machen, dass diese Person im öffentlichen Bewusstsein nicht die Aufmerksamkeit hat, die sie verdient.

Wir hoffen, dieser Zustand wird sich am Ende dieses doppelten Jubiläumsjahres – 100 Jahre Frauenwahlrecht und 100 Jahre Arbeiterwohlfahrt – nachhaltig geändert haben wird.

Der Abend selbst übertraf sämtliche Erwartungen: mehr als 50 Besucherinnen und Besucher fanden den Weg zur Ausstellung. Die musikalische Begleitung durch Leah Isabelle Sander war schlichtweg grandios – und die Lesung von Angela Heise sehr unterhaltsam.

Die Bilder der Ausstellung sind bis zum 30.06. montags bis mittwochs von 10:00 bis 17:00 Uhr sowie donnerstags und freitags von 10:00 bis 15:00 Uhr in der SPD-Geschäftsstelle, Elberfelder Straße 39 zu sehen.